„… besser als aus der letzten Reihe!“ - Vorlesungsaufzeichnung Ingenieurmathematik in HD

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Während Techniken zur Aufzeichnung von Vorlesungen basierend auf PowerPoint-Präsentationen seit Jahren etabliert sind, stellte die Abbildung mathematischer Vorlesungen an der Kreidetafel bisher eine große Herausforderung dar. Hans-Ulrich Kiel und Stefan Zimmer von der Abteilung Multimedia im Rechenzentrum der TU Clausthal stellten sich Anfang 2010 die Frage, ob es vorstellbar sei, den komplexen Inhalt einer vollgeschriebenen Tafel mit HD-Videokameras so abzufilmen, dass man ihn später auf einem PC-Bildschirm gut nachvollziehen könne. Mit Dr. Johannes Brasche war ein engagierter Dozent aus dem Institut für Mathematik bereit, seine Vorlesungen Ingenieurmathematik I und II vor laufenden Kameras zu halten.

Im Jahr 2007 hatte die TU Clausthal den großen Physik-Hörsaals saniert und zu einem Multimediahörsaal mit HD-Aufnahmetechnik und Regieraum umgebaut. Damit bietet er hervorragende Voraussetzungen für die Aufzeichnung großer Vorlesungen: 4 HD-Kameras erfassen das Vortragsgeschehen und erlauben eine gezielte Bildgestaltung. Der Bildschnitt erfolgt live in der Regie und passt sich dem Vorlesungsstil des Dozenten an. Dies stellt eine besondere Herausforderung für den Kameramann dar, da die Dozenten keine Schauspieler sind, sondern Laien, die die Vorlesung nach ihren Vorstellungen für die Hörer im Raum halten und nicht für die Kameras. So erfordert der Umgang mit diesen Darstellern einen sensiblen und einfühlsamen Arbeitsansatz. Durch weitgehende Automatisierung und Optimierung der Medientechnik, kann die Videoaufnahme von einer Person durchgeführt werden. Dabei ist der Bildregisseur in Personalunion Kameramann und Bildmischer und muss über anderthalb Stunden hochkonzentriert sein.

Im Regieraum wird das HD-Videosignal zunächst auf einem Festplattenrecorder in hoher Qualität gespeichert und später für die Distribution im Internet stark komprimiert. Um die Lesbarkeit aller Formeln zu gewährleisten, bleibt die örtliche Auflösung von 1280x720 Bildpunkten erhalten, aber die zeitliche Auflösung und die Datenrate werden reduziert, was bei den eher statischen Bildern einer Vorlesung dank moderner Codecs gut möglich ist. Das Internet-Video kommt im Format MP4/H.264 mit 25 Bildern pro Sekunde bei einer guten Qualität mit 1500 kbit/s aus.

Mit den Vorlesungen Ingenieurmathematik I und II sind an der TU Clausthal hervorragende Aufzeichnungen entstanden, die in den folgenden Semestern mit den Vorlesungen Experimentalphysik I und II fortgesetzt wurden. Das positive Echo der Studierenden zeigt sich u.a. an dem Zitat „… besser als aus der letzten Reihe!“ vom Evaluationsbogen eines Studenten.

Beispiele siehe: http://video.tu-clausthal.de/vorlesung/289.html